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Egon Wüstenhöfer

* 12.07.1924
† 08.06.2010
Erstellt von Westfälischer Anzeiger

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Über den Trauerfall (1)

Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Egon Wüstenhöfer, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.

Von Trauer.de Redaktion, Hamm

18.06.2010 um 16:25 Uhr von VRS
Einen Star-Fotografen für die Bierwerbung zu engagieren, das war in den 1960er Jahren neu. Und den Russen ihr eigenes Nationalgetränk zu verkaufen, eine Leistung. Egon Wüstenhöfer konnte beides. Der Vorstandsvorsitzende der Isenbeck AG bescherte der Hammer Brauerei goldene Zeiten. Am 8. Juni ist er im Alter von 85 Jahren gestorben. Egon Wüstenhöfer wurde 1924 als Sohn eines Essener Bergwerksdirektors geboren, der Anfang der 50er Jahre in die Hammer Brauerei investierte. Seit 1952 saß der Sohn dort im Vorstand, den er dann von 1965 bis 1975 leitete. Damals machte Wüstenhöfer das Hammer Bier überregional bekannt. Obwohl Isenbeck "nur zu den 'großen Kleinen'" der Bier-Branche zu rechnen sei, lasse Wüstenhöfer bundesweit Fernsehwerbung für sein Pils ausstrahlen, berichtete "Der Spiegel" 1967 anerkennend. Wüstenhöfer wollte weg vom biederen Bier-Image und engagierte den Düsseldorfer Star-Fotografen Charles Wilp, der eine ganze Kampagne für das westfälische Pils auf die Beine stellte. Der Isenbeck-Umsatz sei daraufhin um 29,1 Prozent gestiegen, vermeldete "Die Zeit" 1969. Beim Pils seien es sogar 67,9 Prozent gewesen. Mit den Wilp-Fotos wird noch heute für Isenbeck geworben. 1967 fädelte Wüstenhöfer ein kurioses Ost-West-Geschäft ein, das Isenbeck abermals Schlagzeilen bescherte. Er kaufte in Moskau die westeuropäischen Verwertungsrechte des russischen Nationalgetränks Kwas, um den Markt für Limonaden und Soft-Drinks aufzumischen. Auf das alkoholfreie Roggengebräu aus dem Osten soll er durch einen französischen Exilrussen aufmerksam gemacht worden sein. Mit Marktstudien hat sich Wüstenhöfer dabei nicht lange aufgehalten. Im Westen verfehlte der "Astronautenschluck" - trotz einer schicken Raketen-Flasche - den Durchbruch. Doch dafür meldeten die Russen Interesse am Hammer Kwas an und orderten 50 000 Dosen. Dazu kamen 100 000 Dosen Isenbeck-Pils. Charles Wilp durfte im Zuge des Deals als erster westlicher Werbefotograf mit russischen Models arbeiten. Bei Isenbeck galt Wüstenhöfer als umgänglicher Chef. Familiär sei er gewesen, heißt es bei ehemaligen Mitarbeitern. Ein gewissenhafter Mann mit sozialer Einstellung. Geehrt worden ist Wüstenhöfer mit dem Bundesverdienstkreuz. Er erhielt es 1974 für seine Verdienste um Wirtschaft und Sport - als Vorstandsmitglied des Kuratoriums der Stiftung Deutsche Sporthilfe. Den Lebensabend verbrachte er in Arosa in der Schweiz. Dort ist er am 11. Juni auch beigesetzt worden. (jf)