Hans Medernach

Hans Medernach

* 08.06.1928
† 29.11.2007
Erstellt von Westfälischer Anzeiger

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Von trauer.de Redaktion (cs), Dachau

03.12.2007 um 22:49 Uhr von VRS
Er lebte in Lüdenscheid, aber er war jenseits vieler Grenzen zuhause. Geboren in Straßburg, der Vater Luxemburger, die Mutter eine deutsche Elsässerin, ward ihm Offenheit in die Wiege gelegt. Krieg, Gefangenschaft, die folgende Entwurzelung auf der Suche nach seiner Familie und die anschließende Verwurzelung in Lüdenscheid, wo er sie wiederfindet - aus jungen Menschen mit ähnlicher Geschichte werden in jenen Jahren wieder Schüler. Medernach geht ans Zepp. Zur Neuorientierung passt der Glaubenswechsel: Aus dem Katholiken wird ein Baptist, aus dem Schüler bald wieder ein Praktiker. Der Wissbegierige, Un-angepasste, findet seinen idealen Tätigkeitsrahmen, dessen viele Facetten er im Laufe langer Berufsjahre poliert. Lehrzeit als Schriftsetzer in der Lüdenscheider Verlagsdruckerei, Volontariat in Hameln, eine "Ochsentour" durch alle Abteilungen des Zeitungsverlages und der Druckerei Staats an der Schillerstraße. Er nimmt viel mit aus jenen Jahren, vor allem auch die Frau seines Lebens: 1951 heiratet er Susanne Ehmer, die Tochter des damaligen LN-Verlegers. Der Beruf führt Medernach und seine Familie, die auf vier Töchter anwächst, aus Lüdenscheid fort. 1957 geht's nach Bonn zur Arbeitsgemeinschaft mittlerer Tageszeitungen, dann nach Kassel, wo er Verlagsdirektor beim Oncken-Verlag wird, dem publizistischen Sprachrohr der freikirchlichen Gemeinden. 1975 kommt die Familie zurück nach Lüdenscheid, wo Medernach das Lebenswerk des Schwiegervaters fortsetzt. Er drückt dem Verlag in den folgenden Jahren seinen eigenen, tiefen Stempel auf. Hans Medernach war Zeitungsmacher aus Liebe und Leidenschaft, führte den Verlag in einem umfassenden Sinne. Von der handwerklichen Schönheit der Druckkunst bis hin zu dem, was die öffentliche Diskussion in der Stadt in Gang hielt und manches Mal erst brachte, verstand er die Bandbreite seiner Aufgabe. Eine Fülle von Ehrenämtern auf allen Ebenen spiegelte das wider. So war er in der Leipziger Gesellschaft zur Förderung der Druckkunst tätig, war Vorstandsmitglied im Verein Rheinisch-Westfälischer Zeitungsverleger und im Vorstand des Deutschen Instituts für publizistische Bildungsarbeit und betrieb die Gründung der "Initiative Tageszeitung" maßgeblich mit. Vor allem lag ihm der Nachwuchs am Herzen. Er engagierte sich im Beirat des Studiengangs für Journalistik an der Uni Dortmund und saß in der Jury für den Lokaljournalistenpreis der Adenauer-Stiftung. Auch über Veranstaltungen für Schulabgänger in seinem Rotary-Club nutzte er jede Gelegenheit, Wissen weiterzugeben. Mit dem Eintritt des Verlegers Dr. Dirk Ippen in die Verlagsgesellschaft, aus der der Märkische Zeitungsverlag mit seinen verschiedenen Titeln entstand, wechselte Hans Medernach in die Rolle des Herausgebers, eine Position, die er bis 2000 innehatte. Seine Neugier auf Neues befriedigte er seitdem verstärkt mit Reisen, eine Leidenschaft, die er zeitweise auch professionell - mit seiner Frau führte er lange das seinerzeitige LN-Toureka-Reisebüro - betrieb. Ausgebremst von den Mühen des Alters, war es zuletzt leiser um den einst Unermüdlichen geworden. Die Trauer über den Verlust wird gemildert durch die bereichernde Erfahrung, jemanden wie Hans Medernach gekannt, mit ihm gearbeitet zu haben.